Gesundheit

Gehirnerschütterungen im Sport: Ex-Handballtorhüterin Pauline Radke kämpft für Sensibilisierung

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Pauline Radke stand von 2012 bis 2018 bei der HSG Bensheim/Auerbach im Tor (Quelle: Jürgen Pfliegensdoerfer). Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/54792 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/ZNS - Hannelore Kohl Stiftung/Juergen Pfliegensdoerfer"

Pauline Radke stand von 2012 bis 2018 bei der HSG Bensheim/Auerbach im Tor (Quelle: Jürgen Pfliegensdoerfer). Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/54792 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/ZNS - Hannelore Kohl Stiftung/Juergen Pfliegensdoerfer"

Gehirnerschütterungen im Sport sind eine unterschätzte Gefahr, die jedoch gravierende Folgen haben können: Die ehemalige Handball-Torhüterin Pauline Radke erlitt in ihrer Karriere wiederholt Kopftreffer, jetzt leidet sie am postkommotionellen Syndrom

Bonn (ots) - Gehirnerschütterungen im Sport sind eine unterschätzte Gefahr, die jedoch gravierende Folgen haben können: Die ehemalige Handball-Torhüterin Pauline Radke erlitt in ihrer Karriere wiederholt Kopftreffer, jetzt leidet sie am postkommotionellen Syndrom. Mit Unterstützung der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung kämpft sich die 33-Jährige in den Alltag zurück - und wirbt vor dem Saisonstart in der Handball Bundesliga Frauen für eine Sensibilisierung im Umgang mit Gehirnerschütterungen.

Am Wochenende startet die Handball Bundesliga Frauen in die Saison 2019/2020. Wenn die HSG Bensheim/Auerbach zum Auftakt auf die Kurpfalz Bären trifft (07.09., 19:30 Uhr, Weststadthalle Bensheim), wird Pauline Radke nicht dabei sein. Die langjährige Bundesliga-Torhüterin besuchte die Heimspiele ihres Vereins seit ihrem Karriereende vor einem Jahr regelmäßig und wollte als Trainerin im Nachwuchsbereich einsteigen. Aktuell steht für die 33-Jährige jedoch ihre Gesundheit im Vordergrund: Radke erlitt in ihrer Karriere wiederholt Kopftreffer, jetzt leidet sie am postkommotionellen Syndrom. Mit Unterstützung der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung kämpft sich die 33-Jährige in den Alltag zurück - und wirbt für eine Sensibilisierung im Umgang mit Gehirnerschütterungen.

Insgesamt ziehen sich jährlich 270.000 Menschen in Deutschland ein Schädel-Hirn-Trauma zu, alleine im Sport werden jedes Jahr rund 44.000 Gehirnerschütterungen diagnostiziert. Nach Schätzungen der Hannelore Kohl Stiftung, die sich mit der Initiative 'Schütz deinen Kopf! Gehirnerschütterungen im Sport' für Prävention und Aufklärung einsetzt, liegt die Dunkelziffer rund dreimal so hoch. Der Grund liegt neben der Unkenntnis bei Spielern und Trainer vor allem im Wunsch der Sportler begründet, wieder auf den Platz zurückzukehren.

Der Ehrgeiz der Sportler kann so zu einer Gefahr für die Gesundheit werden. "Der Spieler darf, wenn der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung besteht, auf gar keinen Fall selbst entscheiden, dass er weiterspielt", unterstreicht Dr. Andreas Gonschorek. Der Chefarzt des Neurotraumatologischen Zentrum am BG-Klinikum in Hamburg wirbt seit Jahren für einen aufmerksamen Umgang mit Schädelhirnverletzungen. "Es gab einen großen Wissenszuwachs, aber diese Erkenntnisse auch im Sport zu verankern, ist immer noch sehr schwierig", erklärt Gonschorek. "Es muss anerkannt werden, dass eine Gehirnerschütterung eine ernsthafte Verletzung ist, deren Folgen komplex sind und die daher interdisziplinär behandelt werden muss."

Bei Athleten und Vereinen fehlt es oft an diesem Wissen. "Ein Beispiel ist der Fußballer Christoph Kramer - er hat im WM-Finale auch erstmal weitergespielt, aber dann ging es ihm richtig schlecht", nennt Gonschorek ein prominentes Exempel. Auch Ex-Torhüterin Radke sagt: "Nach einem Kopftreffer hatte man zwar Kopfschmerzen, aber man wollte so schnell wie möglich wieder ins Training. Man hat das, da bin ich ehrlich, einfach nicht ernst genommen." Wie viele Kopftreffer sie in 17 Jahren Leistungshandball kassiert hat, kann sie nicht sagen.

Seit einem Sturz im Juni hat die ehemalige Leistungssportlerin mit Kopfschmerzen, Müdigkeit, Panikattacken und Konzentrationsstörungen zu kämpfen, die ihr Leben extrem einschränken. "Das postkommotionelle Syndrom könnte gerade deshalb aufgetreten sein, weil es nicht die erste Gehirnerschütterung war", weiß sie. Im Alltag trifft Radke immer wieder auf Unverständnis. Dass sie seit zwölf Wochen krank geschrieben ist, kann "keiner nachvollziehen, weil ich nicht offensichtlich krank bin - ich habe halt keinen Gipsarm oder so."

Markus Frechen kennt solche Erzählungen zur Genüge, der Diplom-Psychologe leitet seit 15 Jahren Seminare für die Hannelore Kohl Stiftung. "Schädel-Hirn-Traumata sind oft unsichtbare Störungen, für die es in der Allgemeinheit wenig Verständnis und Hilfe gibt", weiß er. "Es herrscht ganz viel Unkenntnis; auch, weil das Störungsbild so vielfältig ist." Die Aufklärung bleibt daher oft den Betroffenen selbst überlassen - wie Radke. Sie sagt: "Es ist belastend und kostet unheimlich viel Kraft, sich immer wieder zu erklären."

Daher suchte Radke Unterstützung bei der Hannelore Kohl Stiftung und nahm am vergangenen Wochenende an einem Fußballseminar teil, das die ZNS Akademie der Hannelore Kohl Stiftung in Kooperation mit der DFB-Stiftung Sepp Herberger für Menschen mit erworbenen Schädelhirnverletzungen anbietet. Radke: "Mir haben das Seminar und der Austausch sehr geholfen, weil hier jeder versteht, was in einem vorgeht."

Für die Zukunft wünscht sich die ehemalige Torhüterin einen sensibleren Umgang mit Schädelhirnverletzungen - auch und gerade im Sport: "Sportler, Trainer und auch Physiotherapeuten müssten besser aufgeklärt werden, was Anzeichen und Symptome sind", wirbt Radke. "Es wäre auch wichtig, dass Sportler mehr geschützt werden - auch vor sich selbst und dem eigenen Ehrgeiz."

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